Robert-Schumann-Turnier: VfL Oldenburg überrascht gegen EHF-Pokalsieger Togliatti

Stürmt mit dem VfL in Gruppe B auf den ersten Platz: Kim Birke (Foto: Jack)

Gastgeber VfL Oldenburg spielt gegen die HSG Blomberg-Lippe und der Buxtehuder SV gegen den russischen EHF-Pokalsieger Lada Togliatti. So lauten die Halbfinalpaarungen des 29. internationalen Robert-Schumann-Turniers um das Wunderhorn. Am ersten von zwei Turniertagen in der VfL-Halle an der Rebenstraße sahen heute (23.8.2014) insgesamt deutlich über 500 Zuschauer zum Teil spektakulären Sport, viele enge Spiele und zum Schluss eine echte Überraschung: Europapokalsieger Togliatti, der sich teilweise überragend, teilweise aber auch nachlässig präsentierte, kassierte in der letzten Partie des Vorrundenspieltages eine 13:23-Klatsche gegen den VfL – für die meisten komplett unerwartet. Zuvor hatte der Turnierfavorit Togliatti einen 30:15-Kantersieg gegen den Bundesligisten HSG Bad Wildungen gefeiert, ließ danach einen 20:19-Zittersieg gegen den LC Brühl aus der Schweiz folgen. Oldenburg, das seine ersten beiden Partien auch nicht problemlos gewann, ging als klarer Außenseiter in die letzte Partie, in der sich nur noch der erste Platz in der Grupp B entscheiden musste.


Wer einen Schluck aus dem Wunderhorn nehmen darf, entscheidet sich am morgigen Sonntag. Um 11.20 Uhr stehen sich zunächst Buxtehude als souveräner Sieger der Gruppe A und Togliatti gegenüber, dann (12.15 Uhr) Oldenburg und Blomberg. Die ersten Spiele um die Ränge 5 bis 8 finden ab 9.30 Uhr statt. Das 29. Wunderhorn-Turnier endet mit dem Endspiel um 16.50 Uhr. Ergebnisse und Tabellen stehen unter www.robert-schumann-turnier.de.

Zu den noch acht Partien am zweiten Tag erwarten die Organisatoren um Turnierchefin Heike Horstmann abermals deutlich über 500 Besucher – vor allem zum Finale wird eine prall gefüllte Robert-Schumann-Halle erwartet. „Ich bin mit dem ersten Tag sehr zufrieden“, sagte Horstmann. „Die Zuschauerzahl ist gut, die Organisation hat prima funktioniert und die sportlichen Leistungen gefallen mir auch gut.“

Alle Mannschaften befinden sich noch in der Saisonvorbereitung – ein Stadium, in dem kaum alles reibungslos läuft. Ein Überblick über die teilnehmenden Mannschaften:




SV SERCODAK Dalfsen (Tabellenvierter Gruppe A)
Ergebnisse: 13:16 gegen Stettin, 16:20 gegen Buxtehude, 17:27 gegen Blomberg

Dem niederländischen Meister und Pokalsieger blieben in diesem Jahr Punkte in der Vorrunde verwehrt. „Wir haben eine ganz neue Mannschaft, wir müssen wieder neu aufbauen“, sagte Trainer Peter Portengen. Neun Neue muss er ins Team integrieren, darunter und als quasi einzige Spielerin mit großem Erfahrungsschatz die Ex-Leipzigerin Debbie Bont. Allein acht Spielerinnen aus Portengens Mannschaft nahmen erst kürzlich an der U-20-WM teil – und Mitte September spielt Dalfsen bereits wieder in der Champions-League-Qualifikation.
Mit der Leistung seiner Mannschaft am ersten Tag zeigte sich Portengen zufrieden: „Im ersten Spiel haben wir nicht gut angefangen, haben uns dann aber gesteigert. Und gegen Buxtehude haben wir 30 Minuten sehr gut mitgespielt.“ Im letzten Gruppenspiel gegen Blomberg habe sein Team dann „etwas den Kopf verloren“. Portengens Saisonziel ist wieder der Gewinn von Meisterschaft und Pokal. Im Europapokal ist ein erneutes Duell mit Blomberg möglich – dann im Cup der Pokalsieger. In der Champions-League-Qualifikation gilt Dalfsen (zunächst gegen FTC Budapest) als Außenseiter.

Erfolgreichste Schützinnen: Myrthe Schoenaker (13 Tore), Inger Smits (8), Debbie Bont (8).




Pogon Baltica Stettin (Dritter Gruppe A)
Ergebnisse: 16:13 gegen Dalfsen, 20:23 gegen Blomberg, 11:19 gegen Buxtehude)

Rund zweieinhalb Wochen nach dem Testspielsieg gegen den VfL zeigte sich Pogon wenig beständig in den 40 Minuten langen Partien. Im letzten Gruppenspiel gegen Buxtehude wirkte das Team von Trainer Adrian Struzik zudem müde. Entscheidend für das Ausscheiden aber war die Niederlage gegen Blomberg. Polens Tabellenvierter der Erstliga-Vorsaison führte zunächst (7:5), lief dann aber in immer mehr Blomberger Gegenstöße. Torhüterin Solomija Szywerska zeigte zwar in der ersten guten Blomberger Phase spektakuläre Paraden, dann aber setzte sich der Bundesligist ab.

Erfolgreichste Schützinnen: Katarzyna Duran (9), Patrycja Krolikowska (7), Monika Koprowska (6).




HSG Blomberg-Lippe (Zweiter Gruppe A)
Ergebnisse: 23:20 gegen Stettin, 20:22 gegen Buxtehude, 27:17 gegen Dalfsen

Für Blombergs Trainer André Fuhr ist das Wunderhorn-Turnier kein Ort für Experimente: „Hier wollen wir uns immer von der besten Seite zeigen.“ Teilweise zeigte Blomberg, das in der neuen Saison ohne die Schlüsselspielerinnen Isabelle Jongenelen und Laura Magelinskas auskommen muss, tatsächlich eine sehr gute Seite von sich. „Wir haben das Halbfinale souverän erreicht. Auch gegen Buxtehude mussten wir nicht unbedingt verlieren“, sagte Fuhr. Allerdings hatte sein Team in dieser Partie in der zehnten Minute schon 3:10 hinten gelegen, sich aber nicht aufgegeben.

Für die neue Saison „wissen wir, dass wir uns in der unteren Hälfte einreihen müssen“, schätzt Fuhr.
Erfolgreichste Schützinnen: Lisa Bormann Rajes (16 Tore; zusammen mit Wildungens Nadja Bolze Führende der Torschützinnenliste), Xenia Smits (11), Gisa Klaunig (11), Franziska Müller (11).




Buxtehuder SV (Erster Gruppe A)
Ergebnisse: 20:16 gegen Dalfsen, 22:20 gegen Blomberg, 19:11 gegen Stettin

Alle Zeichen stehen darauf, dass der Tabellendritte der vergangenen Bundesligasaison auch 2014/15 wieder über eine hervorragende Mannschaft verfügt. Unter anderem zurück auf der Platte ist Isabell Klein. Nur Aufbauspielerin Randy Bülau fehlte noch verletzungsbedingt. Togliattis Trainer Levon Akapian ernannte den BSV schon mal zum Turnierffavoriten: „Buxtehude ist mindestens so stark wie wir.“

Erfolgreichste Schützinnen: Jessica Oldenburg (12), Friederike Gubernatis (9), Jana Podpolinski (ehemals Stapelfeldt; 9).




LC Brühl (Vierter Gruppe A)
Ergebnisse: 16:20 gegen Bad Wildungen, 18:19 gegen Oldenburg, 19:20 gegen Togliatti

„Das ist das beste Spiel gewesen, das ich von dieser Mannschaft gesehen habe – ich bin überwältigt von dieser Leistung“, sagte Brühls Trainerin Vroni Keller nach dem Auftritt gegen Togliatti. Es war ein mutiger, offensiver und kämpferischer. Dabei hatte der LC bereits 3:8 und 6:12 hinten gelegen. Als Brühl aber die Nervosität ablegte und die Treffsicherheit wiedererlangte, wurde Togliatti nachlässig.
Brühl gewann kein Spiel, aber jede Menge Freunde. Mit ihrer 3-2-1-Abwehr und kompromisslos offensiven Spielweise zeigte der Dritte der letzten Saison in der Ersten Liga der Schweiz, dass er keineswegs nur als Zählkandidat nach Oldenburg gekommen war. „Für uns ist es ein Glück, gegen solch starke Gegner antreten zu dürfen“, sagte Keller. „So ein Niveau haben wir in der Schweiz nicht.“
Erfolgreichste Schützinnen: Vanessa Maurer (11), Tamara Bösch (10), Zerin Özcelik (8).




HSG Bad Wildungen (Dritter Gruppe B)
Ergebnisse: 20:16 gegen Brühl, 15:30 gegen Togliatti, 14:18 gegen Oldenburg

Das Verfehlen des Halbfinales täuscht etwas, auch die sehr hohe Niederlage gegen Togliatti. Bad Wildungen präsentierte sich nicht schlecht am ersten Tag. Togliatti und Oldenburg hatten zum Zeitpunkt der Partien ein Spiel weniger in den Knochen, und so hatte der schmale Vipers-Kader einen bedeutenden Nachteil in Sachen Kraft. „Wir haben gut angefangen, uns dann aber gegen Lade hängenlassen“, sagte Trainerin Tessa Bremmer, die bis zu ihrer kürzlichen Heirat noch Cocx in der Bundesliga bekannt war. „Es ist aber auch normal, dass die Kräfte nachlassen.“

Die kommende Saison werde, so Bremmer, extrem schwer: „Wir spielen gegen den Abstieg.“ Zwar werde der Kader noch breiter (wenn Verletzte zurückkommen), aber der Aufsteiger muss auch noch das Problem auf der Trainerinnenposition lösen. Bremmer, Nachfolgerin des erst im Juli zurückgetretenen Karsten Moos, muss erst noch eine passende Trainerlizenz machen (es muss also noch jemand hinzukommen zur HSG), zudem wird sie Mitte November Mutter. Dann ist aber gerade Liga-Pause – Bremmer kann und will so nach der Geburt Trainerin bleiben.

Erfolgreichste Schützinnen: Nadja Bolze (16; zusammen mit Blombergs Lisa Bohrmann-Rajes Führende der Torschützinnenliste), Jana Pollmer (9), Sarah van Gulik (8).




Lada Togliatti (Zweiter Gruppe B)
Ergebnisse: 30:15 gegen Bad Wildungen, 20:19 gegen Bühl, 13:23 gegen Oldenburg

Das Publikum kaum aus dem Staunen nicht heraus: Erst wegen der Handball-Demonstration gegen Bad Wildungen, dann wegen der Fast-Blamage gegen den international eigentlich nicht konkurrenzfähigen LC Brühl (bei der Togliatti zur Pause noch 12:6 führte), dann über die Leistung des heimischen VfL gegen den Europapokalsieger. „Wir sind jung und unerfahren“, begründete Trainer Levon Akapian die wechselhaften Leistungen. 14 neue Spielerinnen muss er integrieren (Kadergröße 22, 17 davon in Oldenburg), die meisten tatsächlich noch sehr jung. In den guten Momenten zeigte Lada aber, warum es vergangene Saison so erfolgreich war: eine knallharte, oft sehr offensive Abwehr, ein blitzschnelles Umschaltspiel, starke Individualistinnen. „Wir wollen in dieser Saison um den Titel mitspielen“, sagte Akapian, schränkte aber gleich ein: „Aber das wollen doch alle. Ob wir es schaffen, wird man sehen.“ Den Oldenburger Organisatoren dankte er für die Einladung: „Wir sind sehr gerne hier. Das Turner ist gut besetzt, auch die Organisation ist sehr gut.“




VfL Oldenburg (Erster Gruppe B)
Ergebnisse: 19:18 gegen Brühl, 18:14 gegen Bad Wildungen, 23:13 gegen Togliatti)

Es riecht nach einer schweren Saison für den VfL: Fünf neue Spielerinnen (dazu in Lena Thomas eine Jugendspielerin im Kader), namhafte Abgänge, wechselhafte Testspielergebnisse. Auch beim Wunderhorn konnte der VfL seine Anhänger zunächst nicht begeistern. Zunächst. Denn nach den beiden Fast-Zittersiegen gegen Brühl (der VfL hatte schon 19:15 geführt) und Bad Wildungen (in den letzten Minuten entschieden) verzichtete Trainer Leszek Krowicki gegen Togliatti auf in Vorbereitungsphasen wichtige Experimente. Nach erst ausgeglichenem Spiel setzte sich Oldenburg bis zur Pause auf 10:8 ab und danach immer weiter (12:8, 17:11). Am Ende gelangen dem VfL sechs Tore in Folge zum 23:13. Togliatti verzweifelte an der VfL-Abwehr mit einer starken Julia Renner im Tor, und Tess Wester – verantwortlich für die Strafwürfe – parierte gleich drei Siebenmeter der Russinnen. „Wir haben so hart gespielt, wie wir es bei denen in den ersten Spielen gesehen haben. Mit unserer 6-0-Abwehr haben wir sie gezwungen, aus der zweiten Reihe zu werfen – und die Bälle hat Julia dann alle gehalten“, sagte Wester. Julia Renner meinte: „Dass wir was können, ist uns klar. Wir haben viel Potenzial. Unsere große Aufgabe ist es, das auch abzurufen.“ Gegen Togliatti ist es mehr als gelungen.

Erfolgreichste Schützinnen: Angie Geschke (14), Kira Schnack (10), Kim Birke (10), Caroline Müller (9), Julia Wenzl (7).


Ole Rosenbohm / Presse VfL Oldenburg - 23.08.2014

 

 

 

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